What happened
Im April 2026 hat SAP das Q1-2026-Release seiner Customer-Experience-Lösungen angekündigt. Es bringt zwei Funktionen, die competitive intelligence direkt in Sales Cloud integrieren: eine Deep-Research-Funktion auf Basis des KI-Assistenten Joule und einen eigenen Tender Analysis Agent. Zusammen zeigen diese Funktionen, wie SAP Wettbewerbs- und Markt-Intelligence versteht: nicht als eigene Softwarekategorie, sondern als native Funktion innerhalb der CRM-Workflows.
Mit Deep Research stellen Sales-Cloud-Nutzer komplexe Fragen über mehrere Themenbereiche hinweg, und zwar direkt in der Chat-Oberfläche von Joule. Joule verknüpft interne CRM-Daten mit externer Marktintelligenz und liefert daraus strategische Analysen, Empfehlungen und kontextbezogene Erkenntnisse, darunter Wettbewerbs-Briefs und Bewertungen im Stil einer SWOT-Analyse. Ein Vertriebsmitarbeiter muss vor einem Deal also nicht mehr in ein separates CI-Tool wechseln, um einen Wettbewerber zu recherchieren. Er fragt Joule direkt in der Sales-Cloud-Oberfläche und erhält eine Analyse, die interne Account-Daten und externen Marktkontext zusammenführt.
Der Tender Analysis Agent automatisiert die Prüfung komplexer RFQ-Dokumente (Request for Quotation, also Angebotsanfragen). Er extrahiert die entscheidenden Produktanforderungen, markiert mögliche Risiken und Lücken bei Richtlinien und schlägt optimierte Konfigurationen vor, die auf den Kundenbedarf zugeschnitten sind. Laut SAP senkt der Agent den Aufwand für die Bearbeitung von Ausschreibungen und verbessert die Abschlussquote. Unternehmen verkürzen so ihre Vertriebszyklen und erkennen gleichzeitig Cross-Selling- und Upselling-Potenzial. Im Kern ist das automatisierte Deal Intelligence, eingebettet direkt in den Deal-Workflow des CRM.
Why it matters for practitioners
Für CI-Verantwortliche und den Markt für spezialisierte CI-Tools ist dieser Schritt von SAP eine strukturelle Bedrohung. Sie wird seit Jahren vorhergesagt, jetzt wird sie Realität: Die großen CRM-Plattformen bauen competitive intelligence direkt in ihre Produkte ein.
1. CI im CRM beseitigt das Problem des Tool-Wechsels. Eine Dauerbaustelle bei competitive intelligence ist die Frage, wie Vertriebsmitarbeiter die Erkenntnisse der CI-Teams tatsächlich nutzen. Vertriebler arbeiten im CRM. Jedes zusätzliche Tool, jeder weitere Tab und jeder zusätzliche Arbeitsschritt zwischen Vertriebler und Wettbewerbsinformation senkt die Nutzung. Deep Research von SAP beseitigt diese Hürde vollständig: Die Wettbewerbsanalyse steht in derselben Oberfläche bereit, in der Vertriebler ihre Deals verwalten, ohne Login in eine separate Plattform. Viele CI-Teams haben viel investiert, um competitive intelligence zu automatisieren und über Slack-Bots, E-Mail-Digests oder Battlecard-Tools auszuspielen. Für sie stellt sich jetzt die Frage, ob CRM-native Intelligence diese Kanäle überflüssig macht.
2. Der Tender Analysis Agent bringt Deal Intelligence genau dorthin, wo der Deal entsteht. Klassische competitive intelligence betrachtet den Wettbewerb auf Markt- oder Segmentebene. Der Tender Analysis Agent arbeitet auf einer anderen Ebene: Er wendet Intelligence auf den einzelnen Deal an, analysiert konkrete RFQ-Dokumente und empfiehlt Konfigurationen auf Basis der Wettbewerbspositionierung. Genau diese Deal-spezifische Intelligence liefern CI-Teams oft über Ad-hoc-Analysen oder individuelle Briefings. Läuft sie automatisiert im CRM-Workflow, hängen Teams weniger von der Kapazität des CI-Teams ab und treffen fundierte Entscheidungen im großen Maßstab. Der Ansatz entspricht dem, was eine gut gebaute Vorlage für die Wettbewerbsanalyse manuell leistet. Nur läuft er hier eigenständig bei jeder eingehenden Ausschreibung.
3. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Joule Studio bauen Unternehmen eigene CI-Agents. Neben den vorgefertigten Funktionen Deep Research und Tender Analysis macht SAP mit dem Q1-2026-Release auch Joule Studio allgemein verfügbar, seinen Baukasten für Agents. Unternehmen können damit eigene KI-Agents bauen, die Sales-Cloud-Daten mit S/4HANA, Drittsystemen und externen Datenquellen verbinden. Organisationen mit anspruchsvollen CI-Anforderungen können so eigene Agents für competitive intelligence entwickeln, zugeschnitten auf ihre Märkte, ihre Wettbewerbsdynamik und ihre Vertriebs-Workflows. Und alles läuft nativ in SAP.
4. Die Nutzung bleibt die entscheidende Unbekannte. SAP hat Joule inzwischen in 35 Lösungen integriert und bietet über 40 spezialisierte Agents an. Trotzdem nutzen laut Branchenberichten nur rund 3 % der SAP-Kunden Joule im Produktivbetrieb. Architektonisch sind die Funktionen bedeutend, doch ihr praktischer Einfluss auf den CI-Markt hängt von der Nutzung ab. Durch die quartalsweisen Releases und automatischen Updates arbeiten SAP-Kunden immer mit der neuesten Version. Um KI-Funktionen zu aktivieren, braucht es aber organisatorische Voraussetzungen, die viele SAP-Anwender noch nicht erfüllen.
Key details
- Release: SAP Customer Experience Q1 2026 (angekündigt im April 2026)
- Deep Research: Funktion auf Basis von Joule, die CRM-Daten und externe Marktintelligenz zu strategischen Briefs, Wettbewerbsanalysen und Bewertungen im Stil einer SWOT-Analyse zusammenführt
- Tender Analysis Agent: Automatisiert die Prüfung von RFQ-Dokumenten, extrahiert Produktanforderungen, markiert Risiken und schlägt optimierte Konfigurationen vor
- Joule Studio: Der Baukasten für Agents ist jetzt allgemein verfügbar. Er ermöglicht eigene mehrstufige KI-Agents, die Sales Cloud, S/4HANA und Drittsysteme verbinden
- Deal Intelligence: Überarbeitete Forecasting-Ansichten mit Drill-down über mehrere Ebenen und aktivitätsbasierter Risikobewertung
- Plattformumfang: Joule ist in 35 SAP-Lösungen integriert, mit über 40 spezialisierten Agents und über 2.400 Skills
- Agent-to-Agent-Protokoll: Über den SAP AI Agent Hub kommunizieren Agents über SAP-Systeme und Drittplattformen hinweg
- Nutzung: Rund 3 % der SAP-Kunden nutzen Joule derzeit im Produktivbetrieb
Market implications
Das Q1-2026-Release von SAP macht einen Trend greifbar, der sich in der gesamten Enterprise-Software schon länger abzeichnet: competitive intelligence wird zur Funktion innerhalb der Plattformen, in denen Vertriebler ohnehin arbeiten, statt eine eigene Produktkategorie zu bleiben. Salesforce, HubSpot und Microsoft Dynamics haben alle bereits Funktionen für competitive intelligence in unterschiedlichem Umfang eingeführt. Deep Research und der Tender Analysis Agent von SAP sind bislang die umfassendste CRM-native CI-Umsetzung.
Für spezialisierte CI-Plattformen wie Klue, Crayon, Contify, Kompyte und andere entsteht daraus ein Problem mit der eigenen Positionierung. Wenn SAP Sales Cloud nativ Briefs zu competitive intelligence erstellt, Ausschreibungen analysiert und Deal-spezifische Erkenntnisse liefert: Welchen Mehrwert bietet dann noch ein eigenständiges CI-Tool? Die Antwort lautet vorerst: Tiefe und Spezialisierung. Spezialisierte CI-Plattformen bieten ein tieferes Monitoring von Wettbewerbs-Signals, ausgefeiltere Battlecard-Workflows, die Integration von Win-Loss-Analysen und die Verteilung von Intelligence über mehrere Plattformen. Das kann eine CRM-Funktion nicht leisten. Doch der Abstand schrumpft.
Das Agent-to-Agent-Protokoll im SAP AI Agent Hub bringt eine weitere Dimension ins Spiel: Interoperabilität. Wenn SAP-Agents mit externen Agents kommunizieren, auch mit denen von CI-Plattformen, verschiebt sich die Dynamik womöglich von „CRM gegen CI-Tool“ hin zu „CI-Tool als Intelligence-Quelle für CRM-Agents“. Spezialisierte CI-Plattformen wären dann vorgelagerte Lieferanten von Intelligence und nicht mehr der Kanal zum Endnutzer. Das ist ein grundlegend anderes Geschäftsmodell, und CI-Anbieter sollten sich darauf vorbereiten.
Für CI-Verantwortliche heißt das jetzt: Prüfen Sie, ob Ihre SAP-Installation diese Q1-2026-Funktionen umfasst, und bewerten Sie, wo sie Ihre bestehenden CI-Tools ergänzen oder sich mit ihnen überschneiden. Teams, die SAP Sales Cloud und eine spezialisierte CI-Plattform parallel nutzen, sollten mit Fragen des Einkaufs zu Redundanzen rechnen. Und sie sollten zeigen können, wo ihr CI-Programm einen Mehrwert liefert, den Deep Research von Joule nicht nachbilden kann.
Related resources
- Competitive Intelligence: Praxis und Definition, während CI in Enterprise-CRMs einzieht
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- Competitive Intelligence automatisieren: Automatisierungsstrategien für CI-Programme im Umfeld CRM-nativer Intelligence-Funktionen
- Vorlage für die Wettbewerbsanalyse: Das manuelle Framework, das Deep Research von SAP automatisieren will